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Schadensersatz und Schmerzensgeld

Bei ärztlichen Fehlern steht dem geschädigten Patienten ein Anspruch auf Ersatz des Vermögensschadens zu sowie ein Schmerzensgeld.

Mit dem Schmerzensgeld wird Ausgleich in Geld geleistet für Schäden nicht vermögensrechtlicher Art, wie körperliche und seelische Leiden. Die Höhe des Schmerzensgeldes orientiert sich an gerichtlich entschiedenen Vergleichsfällen. Die in Schmerzensgeldtabellen erfassten Fälle können jedoch nur zur groben Orientierung dienen. Entscheidend sind immer die Umstände des Einzelfalls. Bei der Heranziehung von Urteilen ist auch der Zeitpunkt der Entscheidung zu beachten. Die Geldentwertung ist ebenso zu berücksichtigen, wie die Tendenz der Gerichte, bei gravierenden Verletzungen großzügigere Schmerzensgelder zuzusprechen als früher. Auch werden Behandlungsfehler oft nicht gerichtlich entschieden, sondern es werden gerichtliche oder außergerichtliche Vergleiche geschlossen. Diese Vergleiche werden nicht veröffentlich. Die Beträge bei Vergleichen liegen aber häufig über denen der veröffentlichten Urteile. Die Ermittlungen der Schmerzensgeldhöhe bedarf daher sorgfältiger Recherchen durch einen Fachmann, der nicht nur die Schmerzensgeldtabellen kennt, sondern auch die Regulierungspraxis der Versicherungen.

Der Schadensersatz soll alle finanziellen Nachteile ausgleichen, die dem Patienten durch die fehlerhafte Behandlung entstehen. Der Geschädigte ist finanziell so zu stellen, als wenn er nicht verletzt worden wäre. Zwar decken Sozialversicherungsträger einen Teil des Schadens ab, bei weitem aber nicht den gesamten Schaden. Zu den Schadensersatzansprüchen gehören z.B.:

  • Beerdigungskosten,
  • Verdienstausfall,
  • Fahrkosten,
  • Therapiekosten,
  • Unterhaltsschaden, d.h. der Schaden, der unterhaltsberechtigten Ehegatten oder Kindern durch die Verletzung des Unterhaltsverpflichteten entstehen,
  • Pflegekosten
  • vermehrte Bedürfnisse, wie Treppenlift, Umbaumaßnahmen, behindertengerechte Fahrzeuge,
  • Haushaltsführungsschaden, d.h. der Schaden, der dadurch entsteht, dass der Verletzte den Haushalt, den er bisher geführt hat, nicht in diesem Umfang mehr versorgen kann. Fällt die Hausfrau aus, müssen unter Umständen ganz erhebliche Kosten für eine Haushaltshilfe und für die Kinderbetreuung aufgewandt werden.

Schmerzensgeldhöhe

Aufklärung/Einwilligung

600,00 € 

HIV-Test ohne Einwilligung

AG Bremen, 2010

3.500,00 € 

Nervenschädigung nach Entfernung von Weisheitszähnen ohne Aufklärung

OLG Nürnberg, 1999

7.500,00 € 

Verzögerter Beginn einer Therapie bei Brustkrebs, unterlassene Aufklärung über Prognose

OLG Köln, 1999

Behandlungsfehler

3.000,00 € 

Verzögerte Wundheilung um mindestens 14 Tage wegen einer verzögerten Antibiotikatherapie

 LG Wiesbaden

30.000,00 € 

Verletzung der Luftröhre mit anhaltenden Einschränkungen der Halsbeweglichkeit bei schleppendem Regulierungsverhalten der Haftpflichtversicherung

 OLG Celle, 2012

50.000,00 € 

Verlust der Gebärmutter in Folge eines Behandlungsfehlers

LG Darmstadt, 1992

500.000,00 € 

Hirnschaden mit schwerster geistiger und körperlicher Behinderung

LG Berlin, 2003

Unterlassene Befunderhebung

4.000,00 € 

Fehlgeschlagene Wangenaugmentation

OLG Frankfurt, 2009

12.500,00 € 

Verunstaltung beider Brüste nach Brustvergrößerung

OLG Oldenburg

Unterlassene Befunderhebung

40.000,00 € 

Zu spät erkannter Gehirntumor wegen nicht rechtszeitiger Durchführung einer Kernspinuntersuchung

LG Regensburg, 2005

100.000,00 € 

Unterbliebene histologische Untersuchung eines Brusttumors und verspäteter chemotherapeutischer Behandlung

OLG Jena